Nach Griechenland

von: Weltenweiter Wanderer

Nach Griechenland - 14.02.22 20:14

Hallo,
ich möchte gerne dieses Jahr im Mai und Juni vom Bodensee nach Griechenland fahren.
Erstmal nach Triest, und weiter auf dem Eurovelo 8 immer an der Adriaküste entlang bis Patras.
Wer von euch hat das schonmal gemacht und hat Erfahrungen, insbesondere was den Ausbauzustand des Eurovelo 8 anbelangt. Muss ich viele verkehrsreiche Strassen fahren?
Oder hat jemand einen anderen Routenvorschlag?
Auf Antworten freue ich mich.

Weltenweiter Wanderer
von: Gerhardt

Re: Nach Griechenland - 14.02.22 22:59

Ich nähme ab Trieste den Zug nach Ancona oder Bari. Dann weiter mit dem Schiff nach Durres, Igoumenitsa oder Patras
Gruß, Gerd
von: iassu

Re: Nach Griechenland - 14.02.22 23:32

Was die berühmt-berüchtigte östliche Adriaküstenstraße angeht, wirst du hier auf verschiedene Meinungen bzw Erfahrungen stoßen. Du hast zwischen Rijeka und Saranda knapp 1100 km grob-ungefähr immer dasselbe: tolle Landschaft, tolle Ausblicke, enge und kurvenreiche Straße, teilweise mörderischen Verkehr, uU heftigen Fallwind von den Bergen und keinesfalls Garantie für gutes Wetter. Das kann schon reizvoll sein, aber man muß das mögen.

In Albanien erwartet dich der kolossale Llogara-Paß und weiterhin jede Menge Höhenmeter, letzteres ändert sich natürlich auch nicht, wenn du durchs Landesinnere fährst, wofür hier viele plädieren. Die Gegend um Durres zB ist bestenfalls aushaltbar, highlight geht anders.

Die griechische Westküste südlich Igoumenitsa setzt den gewohnten Trend fort, mit allerdings sehr deutlich weniger Verkehr als beispielsweise auf Höhe Rijeka, Split oder Dubrovnik.

Inselhopping ist in Kroatien machbar und in Griechenland. Dort aber sind meines Wissens manche Verbindungen gekappt. Von Korfu nach Süden geht es nur übers Festland, von Kephalonia nach Zakynthos gibt es ebenfalls keine Direktfähre mehr.

Beachte, ob die Einreise nach GR über Konispol nach den Coronabeschränkungen wieder geöffnet ist.

Insgesamt Triest-Patras via Küsten sagt mir Komoot: ca 1500 km, 17000 hm.
von: Toxxi

Re: Nach Griechenland - 15.02.22 10:30

In Antwort auf: Weltenweiter Wanderer
Wer von euch hat das schonmal gemacht und hat Erfahrungen, insbesondere was den Ausbauzustand des Eurovelo 8 anbelangt. Muss ich viele verkehrsreiche Strassen fahren?

Die Frage nach dem "Ausbauzustand" lässt mich vermuten, dass du noch nicht oft in (Süd-)Osteuropa warst. Ausgebaute Radwege in dem Sinne, wie wir sie hier verstehen, gibt es nahezu nicht. Radrouten werden in der Regel über Straßen geführt. Meist auf kleinen, aber auch mal auf großen.

Grundproblematik: Auf kleinen Straßen fährt es sich sehr schön mit wenig Verkehr, aber da nimmst du sehr viele Höhenmeter mit (quasi jede Bodenwelle und fährst trotzdem keinen einzigen Berg). Auf großen Straßen rollte es sich deutlich besser, aber dafür hast du auch viel Verkehr. Beides nervt irgendwann, da musst du dein persönliches Optimum finden.

Wenn ich in derartigen Gegenden unterwegs bin (und das ist oft), dann sehe ich solche Routen (die oft nicht ausgeschildert sind) bestenfalls als Orientierung oder Empfehlung.

Gefahren bin ich von Dubrovnik bis Shkodër. Hinter Dubrovnik bis kurz vor der montenegrinischen Grenze habe ich den südlicheren Radweg an der Küste entlang genommen (sehr schön, aber auch sehr hügelig). Ab dann ist der EV8 über Herceg Novi, Kotor, Cetinje, Virpazar, Vladimir bis Shkodër recht gut zu fahren, da war vergleichsweise wenig Verkehr und die Landschaft schön.

Grenzübertritt Kroatien - Montenegro ging sehr flott, an diesem Grenzübergang ist quasi nichts los. Von Montenegro nach Albanien ist mehr los, aber wirklich lange gedauert hat es auch nicht.

In Antwort auf: Weltenweiter Wanderer
Oder hat jemand einen anderen Routenvorschlag?

Es gibt quasi unendlich viele Möglichkeiten, um vom Bodensee nach Griechenland zu fahren. Die Karstlandschaft im Hinterland von Bosnien-Herzegowina fand ich schön.

Das Durmitor-Gebirge in Montenegro (von Plužine nach Žabljak) fand ich ein Highlight, ebenso die Bucht von Kotor. Wobei in Adrianähe immer etwas mehr los ist.

Man kann auch durchs Kosovo fahren, das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Gruß
Thoralf
von: veloträumer

Re: Nach Griechenland - 15.02.22 14:16

Eurovelo ist in vielen Teilen immer noch ein Phantomprojekt. Eurovelo sind europäische Interregg-Projekte, um den Abruf der Subventionen müssen sich aber die jeweiligen Länder selsbt bemühen und Eigenanteil beisteuern. Entsprechend bemühen sich darum die klassichen Fahrradländer eher als Radentwicklungsländer wie die meisten in Osteuropa. Offizielle Ausbauzustände kannst du auf der Euroveloseite selbst anschauen. Solange da nicht steht "zertifiziert", ist das selten sinnvoll, sich danach zu richten. Generell fahre ich nie nach vorgegeben Linien die haben immer Mängel auch in der Auswahl der Landschaft.

Der Verkehr auf der Magistrale ist unterschiedlich nach Bereichen, nach Saison usw. Immerhin ist ein guter Teil des Transits auf die Autobahnen gelenkt und manche schlimme Klischee nicht mehr so zutreffend. Gegenteilig nimmt auch der inländische Verkehr der Balkanstaaten zu, sodass wieder mehr Autos fahren trotz Entlastungsstrecken. Insbesondere für Kroatien gilt, dass es zu Saisonzeiten viele Wohnmobile und Wohnwagen gibt. Kann man die Zeiten vermeiden, ist schon viel gewonnen. Um die größeren Städte rum existiert allerdings immer sehr viel Verkehr (Liefer- und Pendlerverkehr), iassu hat Agglomerationen genannt.

In Kroatien ist Inselhopping eine Option, aber die Inseltransversalen sind nicht immer schön, weil nicht am Meer, Alternativen sind zuweilen Schotter. Brac, Pag und Hvar lohnen mit am meisten, Korcula ist zwiespältig, Rab lohnt kaum, ist verkehrsreich, Krk hat noch ein gewisses Straßennetz, aber auch teils viel Verkehr. Im kroatischen Hinterland gibt es spannende Routen, auch ausgewiesene Radrouten (R-Netz). Landschaftlich macht der Wechsel von Küste und Binnenland und 1-2 Inseln den meisten Sinn. Die Küstenstrecke ist ischerlich landschaftlich weitegehend schön, es gibt aber auch ein paar Durchhänger (Istrien ist nicht immer an der Küste und dann öde, Bakarbucht ist teils industriell, Zadar - Sibenik ist eher langweilig).

In Montengero ist die innere Kotorbucht eher verkehrsberuhigt, über die äußere läuft auch die Magistrale. Südlicher gibts lohnenswerte Teile, andere würden ich meiden, eben auch wegen des Verkehrs. Toxxi hat es bereits beschrieben, wenn du in der Kotoerbucht dich von der Küste trennst, kommst du sehr verkehrsam bis zur albanischen Grenze. Statt Meer bekommst du den Skadarsee (mit Zuckerhutbergen) zu sehen.

Routenvorschläge kann ich dir gleich drei geben:

Alpen-Adria (Ost) Dubrovnik & retour 2003: Schwerpunkt der Hinreise war Festlandküste in Kroatien, aber auch mit Binnenlandabstechern, Rückreise mit Inselhopping, aber auch noch Küstenteile.

Via Dinarica 2013: Eine Variante nach der Via-Dinarica-Idee, Montenegro Küste wie Binnenland im Wechsel, ebenso in Kroatien, aber Schwerpunkt Hinterland, zudem Insel Brac und BiH-Hinterlandverbindung von MNE nach HR.
von: Rolly54

Re: Nach Griechenland - 26.03.22 09:54

Wir sind letzten Herbst runter gefahren, München bis Athen. Und waren begeistert.
Bericht und Strecke findest du in unserem Blog, s. Unten.
von: irg

Re: Nach Griechenland - 26.03.22 19:15

Vielleicht eine kleine Ergänzung: Dass ich kein großer Freund des Magistrale-Radelns bin, ist hier bekannt. Gefahr und landschaftliche Genüsse passen da für mich nicht zusammen. Vor der Magistrale durch Bosnien und Montenegro kann ich aber wirklich nur warnen. Wo es halbwegs geht, würde ich ausweichen!

lg!
georg