Re: Mit dem Fahrrad ans Ende der Welt

von: Jim Knopf

Re: Mit dem Fahrrad ans Ende der Welt - 21.08.12 14:34

Sonntag, 17. Juni 2012 Olhava - Rovaniemi

Habe auch diesmal ausgezeichnet in der gemütlichen Hütte geschlafen. Auch heute gab es das übliche ausgedehnte Frühstück. Das ist auch ein entscheidender Vorteil der Hütte. Da hat man immer Stuhl und Tisch für die Mahlzeiten, denn nicht auf jedem CP gibt es in der Küche Sitzmöglichkeiten.
In der Nacht hat es wohl ziemlich geregnet, aber ich konnte im trockenen starten. Bei leichtem Rückenwind kam ich auf der E75 zügig voran.


Die Straße hatte weiterhin einen breiten Seitenstreifen und der Verkehr war erträglich. Bei Simo bog ich auf die 924 ab. Nun ging es in leichten Wellen langsam neben einem Flusslauf bergan. Der Verkehr nahm stark ab, bzw. war fast gar nicht vorhanden. Leider verschlechterte sich das Wetter. Ich durfte durch ein paar überaus heftige Schauer fahren
Bei Alaniemi bog ich dann auf die 923 ab. Jetzt wurde es einsam, dafür aber landschaftlich schön. Leider spielte das Wetter nicht mit.






Zu allem Übel hörte ausgerechnet bei diesem Wetter mitten in Botanik der Asphalt auf. Es begann eine Schlammschlacht hoch 3. Nur gut, dass ich breite 50iger Bereifung drauf hatte, denn mit schmalen 30iger oder noch schmaleren Reifen meines Crossers wäre ich da vermutlich verreckt. Immerhin hat mein Rad bei diesem Schlammbad eine gute Figur gemacht, denn es blieb alles funktionsfähig, sowohl Bremsen als auch Schaltung. Es hat zwar geknirscht, aber geschaltet hat noch alles, was mir fast wie ein Wunder vor kam.
Ich war froh, als ich in Koivukylä auf die 926 kam und damit wieder Asphalt unter den Rädern hatte. Ich sah aber unter aller Kajüte aus. Von meinen Beinen, Füßen und Schuhen war von der Farbe nix mehr zu sehen. Das Wetter wurde dafür wieder besser. Es war weitgehend windstill und sogar die Sonne kam raus. Ich suchte jetzt einen Zugang zum begleitenden Fluss, denn damit hätte ich wieder alles sauber bekommen. Der kam zunächst nicht, dafür ein Paar mit bepackten Rädern entgegen. Deren Räder waren tipp top sauber. Das war aber auch kein Wunder, waren sie doch gerade erst in Rovaniemi gestartet und auf dem Weg nach Helsinki. Nach einer kurzen Unterhaltung gings dann weiter und nach einer Weile gab es dann tatsächlich eine Rampe ins Wasser. Ich machte dort kurzen Prozess, nahm das Gepäck vom Rad und schob es ins Wasser, aber nur so tief, dass Naben und Tretlager nicht geflutet wurden. Ich hatte kaum damit begonnen das Rad vom Schlamm zu befreien, musste ich diese Aktion erst mal unterbrechen, weil ich von dem Stechviehzeugs überfallen wurde. Also bevor ich alles richtig sauber machte, erst mal mit "Off" eingesprüht. Als das Rad dann wieder sauber war, kamen nacheinander die Packtaschen dran.
Nach der Säuberungsaktion lief dann das Rad wieder ungleich besser. Ein paar Kilometern später die Kette geölt und alles war wieder gut.
Der Fluss in welchem ich das Rad gereinigt hatte wurde immer wieder aufgestaut und dabei Strom erzeugt. Dabei gab es recht große Seen. So sah das dort kurz vor Rovaniemi aus:




In Rovaniemi kam ich gleich mal an einem auch am heutigen Sonntag geöffneten Supermarkt vorbei. Prima, so konnte ich gleich meine Vorräte ergänzen. Als nächstes fuhr ich zum Campingplatz. Dort stand in der Einfahrt eine lange Schlange an Wohnmobilen und auch sonst war es durch die Stadtnähe und damit verbundenem Verkehr alles andere als ruhig. Zu allem Überfluss gab es auch keine Hütten.
Deshalb bin ich zum anderen CP, wenige Km außerhalb gefahren. Das war goldrichtig. Dort gab es eine tolle Hütte mit Dusche und WC drin und Bettzeug, Handtüchern, eben alles inclusive für gerade mal 43€ pro Nacht. Hier war es ungleich ruhiger und weit weniger rummelig, dafür musste ich allerdings etwa 20min mit dem Rad bis in die Innenstadt fahren. Das nahm ich aber gerne in kauf.

162km, 500Hm, Durchschnitt 20km/h, hier die Strecke.


Montag, 18. Juni 2012, Ruhetag in Rovaniemi

Heute habe ich es recht langsam angehen lassen, hatte ich doch am heutigen Ruhetag alle Zeit der Welt. Hatte in der Luxushütte sehr gut und auch lange geschlafen. Nach dem reichhaltigen Frühstück ging es dann als erstes in die Stadt. Ich musste dringend einkaufen. Da ich am gestrigen Tag nicht mehr waschen konnte, benötigte ich dringend noch ne frische Unterhose träller lach. Die bekam ich im Kaufhaus gleich im Doppelpack, so dass ich jetzt 2 finnische Unterhosen im Bestand habe.
Da es wieder mal wie aus Eimern goss, fuhr ich direkt zum Weihnachtsmann. Nichtwissend, dass es wenige km weiter am Polarkreis noch mehr Weihnachtsgedöhns gibt, habe ich den Santa Park besucht. Dieser Park befindet sich in einer gigantischen Höhle und man muss einen gesalzenen Eintrittspreis bezahlen.






Es gab auch so etwas wie das Magic Ice in Svolvær:








Von außen sieht das dort so aus:


Nach Rückkehr am CP konnte ich sofort meine Wäsche waschen und auch trocknen. In der Zwischenzeit gabs in der Hütte Kaffee und Gebäck.

Zum Nachtessen gabs heute zu den Spaghetti auch eine Hackfleischsoße, denn wenn ich irgendwo unterwegs war, habe ich natürlich nie Hackfleisch ungekühlt mitgenommen, aber hier waren die paar Km vom Supermarkt zur Hütte natürlich kein Problem.
Da die Hütte auch mit einem Fernseher ausgestattet war, konnte ich mir nach dem Nachtessen noch die Fußball EM anschauen. Außerdem hatte ich mich entschieden aufgrund des Wetters und weil ich auch das Arktikum besuchen wollte, eine weitere Nacht in der schönen Hütte zu verbringen

25km, Durchschnitt 18km/h, Höhenmeter bedeutungslos.


Dienstag, 19. Juni 2012, Ruhetag in Rovaniemi

Wie am Vortag, ließ ich es auch heute ruhig angehen. Nach dem stets ausgedehnten Frühstück gings wieder in die Stadt. Diesmal sogar ohne Regen.
Als erstes habe ich die Skisprungschanzen im Bild festgehalten.


Danach war dann der Blick über den Fluss auf die Stadt dran.




Wenig später erwischte ich einen langen Güterzug in Doppeltraktion vor der Kirche. Der kam so überraschend, dass mir leider nur mäßige Aufnahmen gelungen sind.




Im Anschluss fuhr ich dann einmal quer durch die Stadt.




Mein Ziel war das Arktikum. Dabei handelt es sich um eine interessante Ausstellung über die Arktis. Sie behandelt das Leben dort, Fauna, Flora, die Tierwelt, das Klima, Geologie usw. Auch eine große Abteilung, welche sich dem Nordlicht widmet ist dabei. Am Rande wird auch die Geschichte von Rovaniemi behandelt.
Hier ein paar Eindrücke:




















Nach dem ausgedehnten Rundgang durch die tolle Ausstellung steuerte ich zum Abschluss noch die Cafeteria an. Dort bekam ich bislang den besten Kaffee auf dieser Reise. Frisch aus dem Automaten, fast wie zu Hause.
Jetzt ging es nochmals ins Einkaufszentrum, wollte ich mir doch noch was fleischiges zum Nachtesssen besorgen. Ich habe mich für Schnitzel Wienerart, Pommes und Gemüse entschieden. Schließlich hatte ich in der Hütte alle Möglichkeiten.
Die Rückfahrt zur Hütte musste ich im strömenden Regen zurücklegen, denn es hat an diesem Tag, seit ich das Arktikum betreten hatte, fast ununterbrochen geregnet.
Hier jetzt ein paar Bilder der Luxushütte:




Die Schnitzel in der Pfanne bäh :


Nasszelle:




von außen:

So sieht dort die Zeltwiese aus, die Hütten stehen außen drumherum:


Blick vom Fenster der Hütte aus über den Fluss:


16km, Durchschnitt: 17km/h, Höhenmeter unbedeutend, Fortsetzung folgt.